blackbox-fitness

Top Dehnübungen für Anfänger, die Flexibilität steigern und Muskelverspannungen lösen

Dehnen Katze

Inhaltsverzeichnis

Top Dehnübungen für Anfänger, die Flexibilität steigern und Muskelverspannungen lösen.

Was Beweglichkeit - Flexibilität wirklich bedeutet in Fachsprache

Die körperliche Beweglichkeit ist die Fähigkeit, willkürliche Bewegungen mit großen Schwingungsweiten in den beteiligten Gelenksystemen auszuführen. Limitierend wirken dabei die knöchernen Strukturen der Gelenke (Gelenkigkeit) und die Eigenschaften der Muskeln, Sehnen, Bänder und des Bindegewebes (Flexibilität, Dehnfähigkeit).

Ich muss gleich zu Beginn erwähnen, dass ich persönlich im Studium der Sportwissenschaft noch Seminare hatte, in denen das Dehnen und Dehnübungen aus dem Lehrplan gestrichen wurden. 

Es gab sogar Professoren die der Meinung gewesen sind, dass Dehnübungen nicht förderlich sind und den Leistungssport behindern, da der Körper nicht so gut funktioniere und die Muskeln überdehnt werden.

Heute sieht man diese Dinge jedoch ganz anders und aus einem ganz anderen Blickwinkel. Wie gut das immer wieder weitergeforscht und untersucht, sowie getestet wird. Da ich erst 2008 mit dem Studium begonnen, fand ich es immer wieder spannend solche Aussagen zu hören, da es eigentlich schon frühere Erkenntnisse über Dehnen und Dehnübungen gegeben hat. Siehe hier zum Nachlesen.

Nun denn, lass uns anfangen =)

Dehnübungen für Anfänger

Warum muss der Mensch sich dehnen?

Ich möchte hier betonen, dass es kein MUSS ist sich zu dehnen, aber es kann durchaus sehr sinnvoll sein =) 

Denn Dehnübungen wirken auf verschiedene Gewebestrukturen um die Gelenke herum. Dazu gehören Muskeln, Sehnen und das Gewebe, das die Muskeln umhüllt. Diese wirken definitiv auf die Bewegung der einzelnen Gelenke. Manche reden dann von Muskelsteifigkeit, so ein quatsch. 

Die Dehnung oder besser gesagt, dass langziehen sorgt dafür, dass dieses Gewebe um die Gelenke herum elastischer werden. Dadurch lässt sich die Beweglichkeit bis ins hohe Alter erhalten oder wiederherstellen.

Ich habe dazu einen Test gemacht und habe den Wadenbeinkopf mit einem Tool, einem Lacrosseball immer wieder gedehnt und geschmeidiger gemacht, Resultat war gleich eine bessere Funktion der Kniebeuge.

Was passiert bei der Dehnung im Körper?

Bei der Dehnung des Muskels werden die einzelnen Muskelfasern auseinander beziehungsweise in die Länge gezogen. Das kannst du dir so vorstellen, als hättest du mehrere Gummibänder und ziehst diese auseinander.

Der Muskel sollte dabei vollkommen entspannt sein, was er zumindest zu Beginn nicht ist, daher solltest du dir beim Dehnen etwas mehr Zeit geben, als nur kurze Dehnungseinheiten zu absolvieren.

Warum ist diese Entspannung wichtig?

Jeder Muskel besteht aus einzelnen Muskelfibrillen, die heißen so und du kannst dir vorstellen, dass es kleine Funktionseinheiten sind, die durch eine Verkürzung die Anspannung des Muskels ermöglichen.
Sie arbeiten also immer unter Spannung.

Steht der Muskel also unter Spannung, wird die Dehnung verhindert und das kennst du vielleicht auch, wenn du schon mal bei einer Massage gewesen bist und der die Masseur, Masseurin tiefer in deine Muskulatur will, musst du entspannen und dich nicht anspannen.

Warum ist dehnen sinnvoll?

Generell lässt sich sagen, dass Dehnung sinnvoll ist um die natürliche Beweglichkeit deines Körpers zu erhalten.

Allerdings zeigen einige Untersuchungen, dass dein Körper von selbst flexibel und beweglich bleiben kann und wird. 

Wenn du jedoch bestimmte Sportarten betreibst, die deine Muskeln einseitig belasten (z. B. im Ausdauersport) oder deine Sportart eine erhöhte Beweglichkeit erfordert (wie der Schlag beim Volleyball oder die Hüftbewegung beim Tanzen), können gezielte Dehnübungen sehr sinnvoll sein.

Die Hauptziele des Dehnens sind folgende

1. Verbesserung der Flexibilität deines Körpers deiner Muskulatur 2. Vorbeugung von muskulären Verspannungen und Verkürzungen 3. Linderung von Schmerzen und Muskelverspannungen

In der Sportwissenschaft wird noch diskutiert, ob eine gesteigerte Flexibilität wirklich das Verletzungsrisiko senkt. Es gibt jedoch Anhaltspunkte, dass regelmäßige Dehnübungen das Risiko von Muskelzerrungen, Sehnenproblemen und Gelenkverletzungen reduzieren können.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Dehnübungen?

Statisches Dehnen ist besonders nach Ausdauersportarten wie Joggen oder Schwimmen effektiv, um die Muskeln zu entspannen und die Beweglichkeit zu bewahren.

Dynamisches Dehnen eignet sich hervorragend vor dem Training oder Kraftsport, da es die Muskeln durch gesteigerte Durchblutung und Vordehnung optimal auf die Belastung vorbereitet.

Wichtig ist dabei, das richtige Maß zu finden. Denn auch beim Dehnen gilt: „Stabilität vor Mobilität.“ Übermäßige Flexibilität der Bänder oder Muskeln rund um die Gelenke kann das Verletzungsrisiko erhöhen. Achte also darauf, dass deine Dehnübungen nicht zu intensiv sind und deine Gelenke stabil bleiben.

Ziele in der Prävention
• Verletzungsprophylaxe
• Vermeidung muskulärer Dysbalancen
• Optimierung der Wiederherstellung (Regeneration)
• Psychoregulation

Ziele in der Rehabilitation
• Muskelentspannung nach Verletzung
• Ausgleich muskulärer Dysbalancen
• Erweiterung der Beweglichkeit der Gelenkkapsel nach Ruhigstellung

Ziele im Sport
• Erhöhung der Gelenkreichweite
• Erwärmung der Muskulatur
• Schaffung optimaler Voraussetzungen für die sportliche Technik
• Verbesserung/Ökonomisierung der Bewegungsausführung

Wann und wie lange solltest du dich dehnen?

Wie oben bereits geschrieben, gibt es für bestimmte Sportarten oder Fitnessübungen verschiedene Dehnübungen.

Wann der ideale Zeitpunkt ist und wie lange du die Dehnung beibehalten solltest, werden wir in diesem Abschnitt näher erläutern. Also los gehts.

Allgemeine Empfehlungen
• Dauer einzelner Dehnübungen: ca. 10 – 60 s
• Wiederholungen pro Dehnübung: ca. 2 – 4 Wiederholungen/Serien pro Einheit
Bösing et al., 2014, modifiziert nach Remmert, 2020, S. 339
Art Ziel Intensität Dauer Umfang Frequenz
Statisch Beweglichkeitsverbesserung allgemein intensiv 10 – 45 s 4 Serien
3 x pro
Woche

Statisch
Belastungsvorbereitung für Belastungen
mit maximaler Bewegungsreichweite
submaximal
bis intensiv
10 – 20 s 3 Serien
vor
Belastung

Dynamisch Beweglichkeitsverbesserung allgemein intensiv
10 – 20
WDH
4 Serien
3 x pro
Woche

Dynamisch
Belastungsvorbereitung für Belastungen
mit submaximaler Bewegungsreichweite
oder hoher Muskelspannung
submaximal 10 WDH 2 Serien
vor
Belastung

 

 

 

Yogaübungen Flexibilität

Welche Dehnübungen sind am Besten für Anfänger?

Ich möchte hier nicht explizit Anfänger sagen, es gibt jedoch Personen die sich unbewusst dehnen in dem sie sich strecken und die Muskulatur in die Länge ziehen und oder in eine andere Richtung bewegen.

Gerade Autofahrer die lange im Auto sitzen machen dies oft nachdem sie ausgestiegen sind.

Sie dehnen sich.

Aber dennoch, wenn du gerade mit einem Dehnungsprogramm / Stretchingprogramm anfangen möchtest und keine Lust auf Yoga und Co. hast, dann solltest du dich auf folgende Muskelanteile beziehungsweise Körperbereiche konzentrieren:

 

  • Waden
  • Hüftbeuger
  • Ischios
  • Rückenstrecker
  • Schultergürtel
  • Hals Nackenbereich

Welchen Effekt hat die Dehnung auf den Körper?

Aktive Beweglichkeit

Die aktive Beweglichkeit beschreibt die durch Muskelaktivität erreichbare

Bewegungsamplitude. Sie ist abhängig von der Kraft der bewegenden

Muskeln und der Dehnfähigkeit des Antagonisten.

 

Passive Beweglichkeit
Die passive Beweglichkeit ist die erreichbare Bewegungsamplitude, die
mittels äußerer Kräfte (Schwerkraft, Trainingspartner, Geräte) erreicht werden
kann

Anatomische Beweglichkeit
(Gelenkigkeit)
Die anatomische Beweglichkeit beschreibt die erreichbare Bewegungsamplitude,
die durch anatomische Gegebenheiten (z. B. Bewegungseinschränkung
durch knöcherne Hemmung oder Massenhemmung durch
Muskeln) begrenzt wird

 

Gelenkigkeit
• Anatomisch-strukturell limitiert
• Genetisch bedingt
• Ist in manchen Sportarten eine
konstitutionelle Leistungsvoraussetzung

Dehnfähigkeit
• Dehnfähigkeit der Muskeln, Sehnen, Bänder
und Gelenkkapseln
• Besser trainierbar als Gelenkigkeit

 

Welche Vorteile und Nachteile hat das Dehnen vor dem Sport oder nach dem Sport?

Dr. Christiane Willke: „Das kann man ganz subjektiv entscheiden. Wissenschaftlich gibt es keine eindeutige Pro- oder Contra-Tendenz. Manche fühlen sich auch mental besser vorbereitet, wenn sie vorher ein bisschen dehnen. 

Andere wiederum dehnen lieber als Cool Down, was gerade im Ausdauersport sinnvoll ist. Ich kann dadurch den Regenerationsprozess anregen. Aber man muss aufpassen. Denn je nachdem wie ich mich stretche, kann ich dadurch auch ein Verengen der Gefäße bewirken und statt Entspannung genau das Gegenteil erreichen.“ 

Die große Streitfrage. Während es für Jahrzehnte als gesichert galt, dass vor allem statisches Dehnen als Warmup vor dem Sport und für Prävention und Regeneration nach dem Sport ideal ist, ist die Sachlage heute, zahlreiche Studien später, eine andere. 

Studien haben ergeben, dass du das Verletzungsrisiko nicht oder nur sehr gering durch Stretching vor dem Workout senkst. Auch kannst du Muskelkater nicht durch Stretching nach dem Workout vermeiden.

Dazu kommt, dass insbesondere langes statisches Stretchen (wenn du also eine gedehnte Position länger als 60 Sekunden hältst) das Verletzungsrisiko leicht steigern kann. 

Ganz zu schweigen davon, dass vor allem beim Kraftsport das vorherige Dehnen sogar die Leistungsfähigkeit senken kann. Beim aktiven Dehnen ist die Sachlage kaum anders. Auch hier gilt, dass nicht per se von einem positiven Effekt durch dynamisches Dehnen vor oder nach dem Sport gesprochen werden kann.

Soll man sich denn dann überhaupt noch dehnen? Na klar, wenn der Rahmen stimmt. Zum einen kannst du das Stretching selbst als Sport ausführen: Ob du es als Yoga-Dehnübungen durchführst oder dir mal Kinstretch ansiehst: Dehnen als Sportart ist schweißtreibend, macht fit und erhöht deine Beweglichkeit enorm. 

Dazu kommen wir aber gleich nochmal. Grundsätzlich ist Dehnen ideal, um Beweglichkeit und Bewegungsspielraum zu trainieren.

Wo solltest du dich noch im Vorfeld dehnen? Zum Beispiel immer dann, wenn du Muskelgruppen ansprechen oder Bewegungen durchführen willst, die nicht deiner ROM entsprechen. Dies ist der Grund, warum viele Akrobat:innen, Balletttänzer:innen oder Kampfsportler:innen sich ausgiebig dehnen. 

Gewisse Posen oder Kicks sind so ausgefallen, dass wir sie im Alltag oder durch gewöhnliches Training kaum ausführen – um unsere Beweglichkeit in dem Fall zu erhöhen, können wir uns stretchen. 

Bei anderen Sportarten hingegen kann Dehnen vor dem Sport hinderlich sein, weil du die Muskelspannung verringerst und dadurch die Muskeln langsamer machst.

Und wie sieht es nach dem Workout aus? Sich direkt nach dem Sport zu dehnen, ist meist keine gute Idee. Hier sind lockeres Auslaufen oder einfach ein Abwarten, bis die Muskeln wieder lockerer werden (zum Beispiel nach dem Kraftsport) erstmal die bessere Alternative. 

Außerdem kannst du zuerst dafür sorgen, dass du dich optimal mit Kohlenhydraten, Protein und Mineralstoffen versorgst – essentiell für die Regeneration und den Aufbau und Erhalt von Muskeln.

Gymnastik & Tanz

Vor dem Training: dynamisches Dehnen

Nach dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Welche Muskeln: die speziell beanspruchte, je nach Beanspruchung

 

Krafttraining

Vor dem Training: Kontraproduktiv

Nach dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Welche Muskeln: alle trainierten Muskelgruppen, bei äußerst intensivem Training jedoch sollte man nicht dehnen

 

Laufen & Walken

Vor dem Training: nicht notwendig

Nach dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Welche Muskeln: insbesondere Waden und Oberschenkelrückseite sowie Bein-, Hüft- und die Gesäßmuskulatur

 

Radfahren

Vor dem Training: nicht notwendig

Nach dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Welche Muskeln: insbesondere Oberschenkel und Hüftbeuger sowie Bein-, Hüft- und die Gesäßmuskulatur / Oberkörper durch Stretching lockern und entspannen

 

Reiten

Vor dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Nach dem Training: statisches Dehnen

Welche Muskeln: vorher die Beine und Oberschenkeninnenseite / danach Rücken, Schultern und Nacken

 

Schwimmen

Vor dem Training: dynamisches Dehnen

Nach dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Welche Muskeln: Schultergürtel und Hüften

 

Tennis

Vor dem Training: dynamisches Dehnen

Nach dem Training: statisches oder dynamisches Dehnen

Welche Muskeln: Arme, Brust und Schultern

 

Passive Dehnübungen

Welche Dehnübungen und Dehnvarianten gibt es?

Passiv-statisches Stretching

Ein Muskel wird durch Einwirkung von außen (Schwerkraft, Druck durch ein Gewicht oder Hilfestellung eines Trainingspartners) gedehnt. Beispiel: Sie sitzen aufrecht und lassen Ihren Oberkörper seitlich sinken – die Flanke wird passiv gedehnt.

Aktiv-statisches Stretching

Hier ist Ihre eigene Muskelkraft gefragt. Der Dehnreiz entsteht durch den Druck eines muskulären Gegenspielers (wird auch als Antagonist bezeichnet). Dafür ist kein Hilfsmittel notwendig.

Anspannen-Entspannen-Stretching

(auch als post-isometrische Relaxation bezeichnet): Der Muskel wird zunächst in Ruhestellung maximal angespannt. Es folgt eine kurze Entspannung und anschließend eine (aktive oder passive) statische Dehnung.

Allgemein
Statisch
• Aktiv
• Passiv
Dynamisch
• Aktiv
• Passiv
→ Durchschnittliche Beweglichkeit
Spezifisch
Statisch
• Aktiv
• Passiv
Dynamisch
• Aktiv
• Passiv
→ Beweglichkeitsanforderungen für den
speziellen Sport

Passive Dehnung
• Einwirken eines externen Faktors auf die
Zielmuskulatur (z. B. Körpergewicht oder
andere Person)
• Zusammenspiel zwischen der zu
entspannenden Muskulatur und dem
externen Faktor
• Geringer Eigenenergieaufwand notwendig
• Gut geeignet zur Steigerung der Flexibilität
• Steigerung des Dehnradius bis in den
Schmerzbereich möglich
Aktive Dehnung
• Ohne externen Faktor
• Größerer Kraftaufwand durch den Athleten,
der sich dehnt
• Dehnung erfolgt über das aktive Bewegen
des Gelenkes, an dem die zu dehnende
Muskulatur ansetzt
• Gesamte Dehnbewegung lässt sich gut vom
Athleten selbst kontrollieren
• Verminderte Gefahr einer Überdehnung
bzw. Verletzung im Vergleich zur passiven
Dehnung

Statische Dehnung
• Die Zielmuskel wird in Vorspannung gebracht und in dieser Position gehalten
• In der Dehnung selbst findet keine Bewegung mehr statt
→ Die Muskellänge bleibt somit konstant

Dynamische Dehnung
• Es werden Muskeleigenreflexe ausgelöst, die zu Kontraktion des Muskels führen
• Synonyme: Schwunggymnastik, intermittierendes Dehnen, Federndes Dehnen, Movement Preps
• Einsatzmöglichkeit: Erwärmung vor Schnelligkeits-, Kraft- und Ausdauerbelastungen
• Hinweis: sehr effektive Dehnmethode mit großem Erwärmungseffekt
• Findet in der heutigen Praxis häufiger Anwendung

Contract-Hold-Release-Stretch-Methode (CHRS)
• Sonderform
• Regelmäßiger Wechsel zwischen kurzen, isometrischen Kontraktionen des Agonisten und
anschließenden statischen Dehnungen des Agonisten
Ablauf eines Zyklus
• Anspannungsphase 6 – 10 s
• Kurze Entspannung
• Dehnphase 20 – 30 s

Welche Mythen gibt es über das Dehnen?

Stretches beugen Verletzungen vor.
Falsch. Lange galt vor dem Laufen die Devise «Dehnen, dehnen, dehnen». Dass es Verletzungen verhindert, konnte allerdings von vielen Studien widerlegt werden. Das Aufwärmen hingegen minimiert die Verletzungsgefahr.

 Dazu genügt es schon, es – im wahrsten Sinn – langsam anzugehen, zum Beispiel zügig Gehen vor dem Joggen. Auch regelmässiges Krafttraining ist in dieser Hinsicht wirkungsvoller und das ist einer der Gründe, weshalb Läuferinnen oder Läufer es nicht vernachlässigen sollten.

Stretches verbessern die Beweglichkeit.
Stimmt. Wie beweglich ein Mensch ist, hängt unter anderem von seinem Alter ab, vom Geschlecht, von den Genen, vom Trainingszustand, von der Schmerztoleranz, vom Aufwärmzustand und von der Aussentemperatur.

 Mit dem Alter beispielsweise sinkt der Gehalt an Elastin im Bindegewebe, was die Beweglichkeit vermindert. Schmerzbedingte Schonhaltungen reduzieren sie zusätzlich. Regelmässiges Dehnen ist aber nicht nur für ältere LäuferInnen sinnvoll, sondern auch für all jene, die viele Stunden am Bürotisch verbringen. 

Für einen langfristigen Erfolg braucht es drei- bis fünfmal pro Woche jeweils rund 30 Sekunden lange Dehnübungen.

Durch regelmässiges Stretchen werden die Muskeln länger.
Richtig. Langfristig, also nach einigen Monaten, können sich die Muskeln durchs Dehnen verlängern. Dafür müssen sie allerdings regelmässig und intensiv gedehnt werden. 

Andere – meist aber nur kurzfristige – Effekte des Stretchings sind wahrscheinlich, dass man sich an eine höhere Muskelspannung gewöhnt, eine erhöhte Schmerztoleranz entwickelt, den Körper besser wahrnimmt oder eine Kombination aus mehreren Faktoren.

Stretches vor dem Sport sind ein Muss.
Nein, das hängt ganz von der Sportart ab. Vor Aktivitäten, bei denen grosse Bewegungsradien ausgeführt werden wie Turnen oder Ballett, sind Dehnübungen zum Aufwärmen wichtig. 

Vor dem Joggen dagegen sind sie kein Muss. Jeder Läufer, jede Läuferin ist anders, bringt andere Voraussetzungen mit und sollte darum herausfinden, ob sie oder er Stretches braucht und was ihr oder ihm am besten tut. DIE eine Übung für alle gibt es nicht.

Vor dem Sport sollte man nicht zu stark dehnen.
Ja. Man nimmt an, dass sich lange (mehr als 30 Sekunden), intensive, statische Dehnübungen negativ auf die Kraftproduktion und Leistungsfähigkeit des Muskels auswirken.

Es gibt verschiedene Arten von Stretches.
Ja. Beim statischen Dehnen wird der Muskel in die Länge gezogen und durch das Halten in dieser Position über wenige Sekunden bis Minuten gedehnt. Dynamisches Stretching dagegen ist in die Bewegung integriert, wie beispielsweise beim Ausfallschritt. Wippen beziehungsweise federnde Bewegungen und Schwünge sind Varianten des dynamischen Dehnens. 

Die dritte Technik heisst postisometrische Relaxation. Dabei wird der Muskel, der gedehnt werden soll, kurzzeitig angespannt und anschliessend gedehnt. 

Eine Übung für die Muskeln der Oberschenkelvorderseite geht zum Beispiel so: Mit einer Hand das untere Ende des Schienbeins umfassen und die Ferse soweit wie möglich bis zum Gesäss führen. Dann den Unterschenkel für einige Sekunden gegen die Hand drücken (die Hand gibt dabei Widerstand), wieder entspannen und einige Sekunden nachdehnen.

Nach sehr intensivem Training sind starke Dehnübungen kontraproduktiv.
Stimmt. Durch das sehr intensive Muskeltraining ist der Muskel gestresst, und die dadurch verursachten Mikroblutungen können durchs Dehnen noch verstärkt werden. 

Stretchübungen deshalb nach dem Training nur nach lockeren Trainingseinheiten sanft machen oder an einem anderen Tag durchführen!

Stretches beugen einem Muskelkater vor.
Nein. Auf den Muskelkater haben Dehnübungen, die vor und/oder nach dem Sport durchgeführt werden, keinen nachweisbaren positiven Effekt.

Stretches wirken auch auf die Faszien.
Stimmt. Faszien umgeben die Muskeln wie eine Hülle. Werden die Muskeln gedehnt, werden die Faszien automatisch mitgedehnt.

Nach einer Verletzung muss man dehnen.
Falsch. In der frühen Phase einer Verletzung können intensive Dehnungen sogar schädlich sein, und sollten deshalb höchstens sanft oder gar nicht durchgeführt werden. 

Später kann das Dehnen, je nach Verletzung, hilfreich sein. Ist ein Gelenk nach einer Verletzung in der Bewegung eingeschränkt, können Dehnübungen helfen, die Beweglichkeit wieder herzustellen. 

Vielmehr als das Stretching steht nach einer Verletzung die Steigerung der Belastbarkeit der verletzten Struktur durch Übungen im Vordergrund. Das Ausnutzen des vollen Bewegungsumfangs bei den Übungen kann übrigens gleichzeitig auch die Beweglichkeit fördern.

Tipps
Um eine nachhaltige Veränderung bei der Beweglichkeit zu erzielen sollte man regelmässig und mindestens dreimal pro Woche Dehnübungen machen.
Dehnungen sollen den Körper in eine unangenehme Position bringen, aber nicht zu schmerzhaft sein, so dass man Gegenspannen muss.
Das wichtigste Gelenk für LäuferInnen ist das Sprunggelenk.

 Damit es beweglicher wird, ist es wichtig, die Wadenmuskeln zu dehnen, beispielsweise durch das Absenken der Ferse an einer Stufe.
Dynamische Dehnübungen wie zum Beispiel Ausfallschritt, Standwaage oder Hüftkreisen können einfach ins Aufwärmprogramm eingebaut werden und bereiten Gelenke und Muskeln auf die bevorstehende Belastung vor.


Die Dehnung kann man auch mit einer vorherigen Selbstmassage mit den Händen, einer Faszienrolle oder einem Massageball am selben Muskel kombinieren.
Auch Yoga kann nützen, weil man dabei umfängliche Bewegungen macht, die im Alltag nicht üblich sind. Yoga ist ein sanftes Beweglichkeitstraining, bei dem man sich in unangenehme Positionen begibt, die aber nicht weh tun sollten. Bis sich der Körper daran gewöhnt hat, dauert es Monate, und diese Zeit sollte man ihm dafür auch geben.


Probieren geht über Studieren! Jede/r muss für sich selbst herausfinden, in welcher Form und ob das Dehnen überhaupt etwas für einen

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert